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| Laura & Spot Foto: Magazin Zeilen |
Fotos: Corné van der Stelt und Laura Dekker
SOLO NACH ENGLAND
Die dreizehnjährige Laura Dekker ist ein besonderes Mädchen, soviel
steht fest. 2009 segelte sie mit ihrer Hurley 700 'Guppy' einhand nach
England. Dies war der erste Schritt in Richtung ihrer Weltreise.
Viel Vergnügen!
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| Foto: Magazin Zeilen Teil 1 |
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| Foto: Magazin Zeilen Teil 2 |
KEINE VERRÜCKTEN AKTIONEN
Laura Dekker (13) wurde auf dem Boot ihrer Eltern während deren
Weltumsegelung geboren. Sie lernte die Praxis und die Theorie des
Segelns von ihrem Vater Dick. Nicht jeder ist vom Hobby des jungen
Mädchens begeistert. Dick: "Das rief viel Widerstand hervor, sowohl von
Fremden als auch von den Eltern ihrer Freundinnen. Aber ich weiß was sie
kann und wo sie es gelernt hat. Ich vertraue meiner Tochter voll und
ganz und weiß, daß sie keine verrückten Aktionen unternehmen wird und
auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Sie segelt besser und hat mehr
Wissen als manch älterer Segler." Laura will später einmal berufsmäßig
segeln, aber sie hat keine Ambitionen, die niederländische Ellen
MacArthur zu werden. Laura: "Ich mache lieber Segeltouren anstatt an
Wettbewerben teilzunehmen. Die jüngste Weltumseglerin zu werden hat
schon was."
Mein Name ist Laura Dekker und ich bin dreizehn Jahre alt. Ich segle gern und oft über das Ijsselmeer und auf dem Wattenmeer. Ich bin immer allein unterwegs, na ja, fast allein, denn mein Hund Spot ist immer dabei. Ich habe immer eine Menge Spaß dabei, obwohl... irgendwann wollte ich einfach mal was Neues versuchen. England ist dann doch das Erste, woran man denken würde, oder? Ich schon. Natürlich kommt man nicht einfach so auf die Idee, eine solche Tour einhand zu segeln. Es begann vor sehr langer Zeit, als ich gerade erst einen Tag alt war.
Die Anfänge
Meine Eltern sind auf Weltreise und liegen mit ihrem Boot in Neuseeland
als ich geboren werde. Das erste was ich sehe sind - abgesehen von
meinen Eltern - Boote auf dem Wasser. So ist es auch nicht weiter
verwunderlich, daß das erste Wort, das ich sprechen kann, nicht 'Mama'
oder 'Papa' ist, sondern 'Dinghy'.
In den folgenden Jahren lerne ich die See sehr gut kennen, sowohl von ihrer guten als auch von ihrer schlechten Seite.
Zu meinem sechsten Geburtstag bekomme ich das wohlbekannte Anfängerboot
geschenkt, einen 'Optimist'. Am nächsten Tag sage ich stolz und
todernst zu meinem Vater, daß ich jetzt auf dem See segeln gehen werde.
Der findet die Idee nicht so toll, denn schließlich bin ich zuvor noch
nie allein gesegelt. Er meint, daß ich erst lernen müsse, das Boot zu
beherrschen, in Schlangenlinien zu segeln, gegen den Wind zu kreuzen -
und das alles bei Windstärke 6.
Am nächsten Wochenende habe wir
Zeit und es weht auch genug Wind, um üben zu können. Mein Vater fährt
neben mir auf einem Surfbrett und ist bass erstaunt, daß ich alle
Übungen schon beim ersten Versuch ganz ordentlich bewerkstellige. Allein
das Kentern bei dem starken und kalten Wind finde ich unangenehm. Aber
nachdem ich es ein paar Mal geübt habe, macht es mir sogar Spaß. Das
Aufrichten des Bootes ist eine schwierige Angelegenheit wenn man selbst
nur 14 Kilo wiegt. Aber wenn ich das nicht kann, wird mein Vater mich
nicht allein segeln lassen, und darum kämpfe ich mich durch. So segele
ich zwei Jahre lang über den See, und eigentlich nur bei starkem Wind,
denn sonst macht es mir nicht richtig Spaß.
***
Guppy
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| Spot on Wache FotoL zeilen.nl |
Als mein Vater zusammen mit einem Freund auf dessen Hurley 700 am
24-Stunden Rennen [auf dem Ijsselmeer] teilnimmt, bin ich natürlich mit
von der Partie. Immerhin bin ich schon zehn Jahre alt. Bei unserer
Rückkehr frage ich den Eigentümer, ob ich auch allein mit dem Boot
segeln dürfe. Ich darf, und wenn ich sein Boot saubermache und gut in
Schuss halte, darf ich damit sogar das ganze Jahr lang segeln.
Nachdem ich ein Jahr lang mit dem Boot gesegelt bin, beschieße ich, mit
ihm während der Schulferien auf Segeltour zu gehen. Der Eigner, der mich
schon oft beim segeln beobachtet hat, ist sofort einverstanden. Aber
bevor ich ablegen darf, muß ich noch einiges in puncto Navigation
lernen. Viele Abende verbringe ich damit, schwierige Summen, die mir
mein Vater aufgibt, auszurechnen, damit ich lerne, die Bestimmung von
Kompasskursen mit dem Parallellineal unter Berücksichtigung der
Winddrift und Strömungen sicher zu beherrschen. Auch muß ich lernen,
meine Position mittels Kreuzpeilung zu bestimmen. Ich habe dem Boot auch
einen schönen Namen gegeben: 'Guppy'. Denn ein Boot von sieben Metern
kann man nicht wirklich groß nennen, oder? Zumindest für mich ist es
vorläufig noch groß genug, aber ich bin ja auch erst elf.
Als
die Ferien beginnen, fahre ich mit gestrecktem Mast über die Vecht nach
Muiden, und von dort zum Ijsselmeer. In Lemmer werde ich von der
Wasserschutzpolizei erwartet und muß am Kai anlegen, wo Spot die
Polizisten knurrend willkommen heißt. Nachdem wir uns eine Zeit lang
unterhalten haben kommen sie zum Schluß, daß ich gut vorbereitet auf
diese Tour gegangen bin. Darüber hinaus trage ich immer eine
Schwimmweste und bin mit einer Sicherheitsleine gesichert. Wenn doch nur
alle Wassersportler so wären wie ich, sagen sie. Laut Gesetz darf ich
dieses Boot führen, denn es ist ein Segelboot unter sieben Meter Länge.
Mit diesen Worten verlassen sie das Boot und ich darf weiterfahren. Ich
segle durch ganz Friesland und zu den Watteninseln, und immer ist mein
Hund Spot dabei. Sechs Wochen später bin ich wieder zu Hause.
***
Nun bin ich ganz sicher: ich will meine eigene Hurley 700. Und folglich
durchstöbern mein Vater und ich Kleinanzeigen. Wir finden ein Boot, das
halbwegs gut aussieht und mit einem Innenbordmotor ausgestattet ist.
Ich bin so superglücklich über mein erstes, wirklich hochseetüchtiges
Boot, daß ich total durch den Wind bin. Als ich nach Hause komme, stutzt
meine Freundin als ich ein Stück Pizza in das Tiefkühlfach stecke um es
aufzuwärmen, und kurz darauf mein Trinkglas in den Mülleimer
schmeiße... Ich hoffe, daß das bald vorbeigeht. Auch dieses Boot nenne
ich wieder 'Guppy'. Mein Vater und ich haben vereinbart, daß ich das
Boot abbezahlen muß. Und das bedeutet, daß ich arbeiten gehen muß. Ist
aber überhaupt nicht schlimm, denn wenn man seine eigene Segeljacht
haben will, muß man auch etwas dafür tun.
***
England
Die Idee ist geboren, ich werde nach England segeln. Eigentlich würde
ich viel lieber sofort Kurs auf die Karibik nehmen, aber na ja...
England ist auch ganz schön, denke ich. Ich fange sofort mit den
Vorbereitungen an. Es ist der 7. März [2009] und in acht Wochen habe ich
Frühlingsferien und kann losfahren. Zeit genug sollte man denken. Von
wegen. Denn als ich endlich mit allem fertig bin... Huch, morgen fangen
die Ferien schon an?!
Ein eigenes Boot
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| Second Home Foto: zeilen.nl |
Nun bin ich ganz sicher: ich will meine eigene Hurley 700. Und folglich
durchstöbern mein Vater und ich Kleinanzeigen. Wir finden ein Boot, das
halbwegs gut aussieht und mit einem Innenbordmotor ausgestattet ist.
Ich bin so superglücklich über mein erstes, wirklich hochseetüchtiges
Boot, daß ich total durch den Wind bin. Als ich nach Hause komme, stutzt
meine Freundin als ich ein Stück Pizza in das Tiefkühlfach stecke um es
aufzuwärmen, und kurz darauf mein Trinkglas in den Mülleimer
schmeiße... Ich hoffe, daß das bald vorbeigeht. Auch dieses Boot nenne
ich wieder 'Guppy'. Mein Vater und ich haben vereinbart, daß ich das
Boot abbezahlen muß. Und das bedeutet, daß ich arbeiten gehen muß. Ist
aber überhaupt nicht schlimm, denn wenn man seine eigene Segeljacht
haben will, muß man auch etwas dafür tun.
Ich bin mittlerweile
zwölf und auch dieses Jahr segle ich wieder mit 'Guppy' durch die
Niederlande. Diese Mal mit meinem eigenen Boot. Da ich nun auf eine
weiterführenden Schule gehe, habe ich sieben Wochen Ferien, also eine
Woche mehr um mit 'Guppy' zu segeln. Aber die Ferien sind viel zu
schnell zu Ende und ich muß wieder zur Schule. Grmpf.
In der
folgenden Zeit verbessere ich 'Guppy' ständig. Ich stelle auch viele
Fragen über die Weltreise meiner Eltern und bekomme immer mehr Lust
darauf, so etwas auch einmal zu unternehmen. Aber mein Vater sagt, daß
eine Weltumsegelung nicht immer nur Spaß macht, und daß ich besser doch
zuerst einmal nach England segeln solle, damit der kräftige Wind diese
Idee vielleicht wegpustet. Nun, wenn er denkt, daß ich das Segeln dann
vielleicht nicht mehr schön finde und ich meinen Plan deswegen aufgebe,
hat er sich gründlich getäuscht.
***
England
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| To England! Foto: zeilen.nl |
Die Idee ist geboren, ich werde nach England segeln. Eigentlich würde
ich viel lieber sofort Kurs auf die Karibik nehmen, aber na ja...
England ist auch ganz schön, denke ich. Ich fange sofort mit den
Vorbereitungen an. Es ist der 7. März [2009] und in acht Wochen habe ich
Frühlingsferien und kann losfahren. Zeit genug sollte man denken. Von
wegen. Denn als ich endlich mit allem fertig bin... Huch, morgen fangen
die Ferien schon an?!
Es
ist Freitag, und noch am selben Abend verlässt 'Guppy' den Jachthafen
von Maurik [bei Utrecht] und schaukelt ganz langsam nach Culemborg - bis
ich von der Schaukelei verrückt werde und den Motor anschmeiße. Schon
früh am nächsten Morgen fahre ich wieder aus dem Hafen heraus und nehme
Kurs auf Maassluis [Industriegebiet bei Rotterdam]. Heute weht zum Glück
etwas Wind und mit der gesetzten Genua und mit dem Strom macht 'Guppy'
gute Fahrt. Das Schleusen in der Schleuse von Hagestein geht ganz fix
und nichts steht mir jetzt noch im Wege. Auf zur See! Ich schalte den
Autopiloten ein und setze mich auf die Heckbank, um die Aussicht zu genießen. Gegen Mittag passiere ich die Brienennoord Brücke in
Rotterdam. Der Schiffsverkehr nimmt immer mehr zu, und die Wellen, die
von den Ufermauern reflektiert werden, lassen 'Guppy' nach allen
Richtungen schaukelt. Ich hole die Fock ein. Die kann nun wirklich nicht
stehen bleiben, denn sie würde meine Sicht bei der Durchfahrt durch
Rotterdam und dessen gewundenem Fahrwasser nur behindern. Dann
kommt ein spannender Moment, denn mein Mast ist 10,6 Meter lang und
auch die Brücke hat ungefähr dieselbe Höhe. Vor der Brücke drehe ich das
Boot gegen den Strom und lasse 'Guppy' langsam absacken. Dann kann ich
im Notfall immer noch Gas geben, wenn es nicht hinhauen sollte. Zum
Glück passt es. Am Nachmittag fahre ich in den Hafen von Maassluis.
Nachdem ich gegessen habe, gehe ich früh ins Bett, denn morgen wird ein
langer Tag werden.
***
Um sieben Uhr klingelt der Wecker. Ich krieche aus meinem warmen Bett
heraus und ziehe so viele Klamotten an wie nur möglich. Es ist 9 Grad.
Brrrr. Nachdem ich Treibstoff getankt und Tee für meine Thermoskannen
gemacht habe, kann ich ablegen. Mit dem Strom und ein wenig Hilfe vom
Motor läuft 'Guppy' 7,5 Knoten. 'Guppy' ist die Binnengewässer bestimmt
auch satt und will auf die hohe See. Die Segel werden gehisst und das
Boot rauscht durchs Wasser. Nun, Spaß macht das nicht, denn der Wind hat
sich vollkommen gelegt. Die Segel hängen schlaff herunter und 'Guppy'
rollt in den Heckwellen der Frachtschiffe hin und her. Um das Maß voll
zu machen fängt es auch noch an zu regnen. Nach kurzer Zeit bin auch ich
nicht mehr trocken. Und das, obwohl ich Segelkleidung bei mir habe.
Tja... vielleicht sollte ich sie doch mal anziehen.
Direkt vor der Eisenbahnbrücke liegt ein schöner, kleiner Hafen, wo ich
anlegen kann. Es ist herrlich, wieder am Anleger zu liegen und festen
Boden unter den Füßen zu spüren, obwohl sich das feste Land mehr zu
bewegen scheint als das Boot selbst. Die Überfahrt ganz alleine
geschafft zu haben gibt mir ein Gefühl von Befriedigung. Ich liege in
einem kleinen, gemütlichen Dorf mit einem schönen Park entlang des
Wassers. In der Bibliothek stehen Computer, von wo ich eine e-Mail nach
Hause schicke. In England komme ich auch mit einem Ehepaar in Kontakt,
das ein Kinderheim betreibt. Sie sind sehr nett und zeigen mir viele
schöne Orte in England. Sie nehmen mich mit nach Ipswich und London, da
sie dort sowieso hin müssen. Es ist sehr angenehm und die Zeit fliegt
vorbei.
Brrrr
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| Wind! Foto: zeilen.nl |
Um sieben Uhr klingelt der Wecker. Ich krieche aus meinem warmen Bett
heraus und ziehe so viele Klamotten an wie nur möglich. Es ist 9 Grad.
Brrrr. Nachdem ich Treibstoff getankt und Tee für meine Thermoskannen
gemacht habe, kann ich ablegen. Mit dem Strom und ein wenig Hilfe vom
Motor läuft 'Guppy' 7,5 Knoten. 'Guppy' ist die Binnengewässer bestimmt
auch satt und will auf die hohe See. Die Segel werden gehisst und das
Boot rauscht durchs Wasser. Nun, Spaß macht das nicht, denn der Wind hat
sich vollkommen gelegt. Die Segel hängen schlaff herunter und 'Guppy'
rollt in den Heckwellen der Frachtschiffe hin und her. Um das Maß voll
zu machen fängt es auch noch an zu regnen. Nach kurzer Zeit bin auch ich
nicht mehr trocken. Und das, obwohl ich Segelkleidung bei mir habe.
Tja... vielleicht sollte ich sie doch mal anziehen.
Begleitet vom
Geräusch des Autopiloten und des Funkgeräts sitze ich unter der
Sprayhood und halte Ausguck, während 'Guppy' in nordwestliche Richtung
fährt um nicht in den Haupschiffahrtsweg zu geraten. In der Ferne sehe
ich zwei Frachtschiffe, aber die fahren weit vor mir. Da sonst nichts in
Sicht ist, quert 'Guppy' die Fahrrinne. Etwa um 18 Uhr wird der Nebel
immer dichter, sodaß ich gerade noch meine Windfahne sehen kann. Jetzt
muß der Radarreflektor gehisst werden.Gegen Morgen hat sich der
Nebel gelichtet und es weht Wind, allerdings direkt von vorn. Macht aber
überhaupt nichts! 'Guppy' ist nämlich schon nah bei Lowestoft, und am
Wind segelnd kann ich es in zwei langen Schlägen schaffen. Zum Glück
kommt der Wind aus Westen als ich Lowestoft anlaufe. Da es hier starke
Strömungen gibt, können sich sehr hohe Wellen bilden wenn der Wind gegen
den Strom steht. Ich fahre ganz gemütlich in den Hafen hinein, wo
'Guppy' sofort durch die Brücke durchgelassen wird, und sich auf den Weg
zu den preiswerteren Häfen machen kann. Ich fahre entlang halb
gesunkener Frachtschiffe und verfallener Docks. Wie ist es hier doch
anders als in den Niederlanden. Der Glanz vergangener Tage hat schon was
für sich.
***
Duct Tape und Spinnakern
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| Laura in aktion Foto: zeilen.nl |
Direkt vor der Eisenbahnbrücke liegt ein schöner, kleiner Hafen, wo ich
anlegen kann. Es ist herrlich, wieder am Anleger zu liegen und festen
Boden unter den Füßen zu spüren, obwohl sich das feste Land mehr zu
bewegen scheint als das Boot selbst. Die Überfahrt ganz alleine
geschafft zu haben gibt mir ein Gefühl von Befriedigung. Ich liege in
einem kleinen, gemütlichen Dorf mit einem schönen Park entlang des
Wassers. In der Bibliothek stehen Computer, von wo ich eine e-Mail nach
Hause schicke. In England komme ich auch mit einem Ehepaar in Kontakt,
das ein Kinderheim betreibt. Sie sind sehr nett und zeigen mir viele
schöne Orte in England. Sie nehmen mich mit nach Ipswich und London, da
sie dort sowieso hin müssen. Es ist sehr angenehm und die Zeit fliegt
vorbei.
Da am Donnerstag die Maiferien zu Ende sind und ich zu
meinem großen Unglück wieder zur Schule muß, ist der Montag der
letztmögliche Tag, um wieder die Segel zu setzten. Und so verläßt
'Guppy' früh am Morgen den Hafen bei einem westlichen Wind. Mit diesem
schönen Wind sehe ich auch die Chance, den Spinnaker zu hissen. Mit Duct
Tape befestige ich meine Kamera an der Sprayhood um ein Foto davon zu
schießen. Das ist echt toll, denn so oft komme ich nicht zum Spinnakern.
Langsam aber sicher kommt mehr Wind und ich beschließe, den Spinnaker
wieder einzuholen, dieses Mal bevor dessen Baum bricht, denn das habe
ich auch schon fertiggebracht. 'Guppy' genießt es und sagt mit, daß sie
lieber das High Aspect anstelle der Genua oben sehen würde. Nun, ihr
Wunsch ist mir Befehl.
Dann gehe ich auf das Vordeck und bekomme
sogleich eine Welle ab. Brrrrrr, wie ist das kalt! Kurze Zeit später
richtet 'Guppy' wieder einen Wunsch an mich: ob ich wohl ein Reff ins
Großsegel stecken könnte? Das geht zum Glück etwas leichter als die Fock
zu wechseln.
'Guppy' rast zurück nach Hoek van Holland. Verstehe
ich überhaupt nicht, denn so begierig bin ich nicht, wieder zur Schule
zu gehen. Mitten in der Nacht nimmt der Wind zu auf 7 Beaufort aus
Süd-Süd-West, und die letzten neun Meilen muß 'Guppy' hart am Wind
segeln, da ich den Schiffahrtswegen ausweichen muß. Es ist dunkel und
kalt, und 'Guppy' und ich bekommen eimerweise Wasser ab. Das ist es
also, was mein Vater sagen wollte.
***
"Do you speak Dutch?
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| Collage Foto: zeilen.nl |
Da sich die Sicht verschlechtert hat, kan ich die Pier von Hoek van
Holland erst bei zwei Seemeilen Abstand auszumachen. Aber ich habe sie
gefunden! Als ich zwischen den Piers hindurchfahre, fängt es an zu
regnen. Nun ja, willkommen in den Niederlanden! Als ich in Rotterdam am Hafen entlangfahre, kommt ein Boot der Hafenbehörde längsseits.









